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Muss ich eigentlich erklären, warum ich etwas verändern möchte?

vor 11 Minuten
6 Min. Lesezeit

Du erzählst jemandem von einer Idee, die schon eine Weile in deinem Kopf herumspukt. Vielleicht möchtest du beruflich noch einmal etwas anderes machen, umziehen, alleine verreisen, eine Ausbildung beginnen, deine Arbeitszeit reduzieren oder dir endlich etwas erlauben, das du schon lange ausprobieren möchtest.


Und dann kommt dieser Blick, den du vermutlich kennst: eine Mischung aus Überraschung, leichter Irritation und der unausgesprochenen Frage, ob bei dir gerade noch alles in Ordnung ist.


„Warum willst du das denn machen?“,

„Was stimmt denn jetzt nicht?“,

„Du hast es doch gut“,

„Und was bringt dir das?“ oder auch der Klassiker: „Hast du dir das wirklich gut überlegt?“


Und ehe du dich versiehst, stehst du mitten in der Verteidigung deiner eigenen Idee, obwohl du eigentlich nur davon erzählen wolltest.


Seit wann brauchen Wünsche eigentlich eine Begründung?


Natürlich dürfen Menschen Fragen stellen. Wer uns nahesteht, interessiert sich für unsere Entscheidungen, macht sich vielleicht Gedanken oder sieht Risiken, die wir in unserer Begeisterung gerade übersehen. Nicht jede kritische Frage ist ein Angriff und nicht jeder skeptische Blick bedeutet automatisch, dass jemand gegen uns ist.


Spannend wird es für mich an einer ganz anderen Stelle, nämlich dann, wenn wir plötzlich das Gefühl bekommen, unsere Antwort müsse überzeugend genug sein, damit wir uns selbst erlauben dürfen, weiterzugehen. Wir sammeln Argumente, erklären und begründen, führen innerlich vielleicht schon Gespräche, die noch gar nicht stattgefunden haben, und überlegen, was Mutter, Partner, Freundin, Kinder, Kollegen oder der Rest der Welt wohl dazu sagen werden.


Dabei könnte die Antwort manchmal erstaunlich schlicht sein: Weil ich es möchte.

Nicht trotzig, nicht rücksichtslos und auch nicht, ohne über mögliche Konsequenzen nachzudenken, sondern einfach deshalb, weil etwas in unserem Leben nicht mehr so gut zu uns passt wie früher oder weil etwas Neues plötzlich sehr gut zu uns passen könnte.


Andere Menschen schauen durch ihre eigene Brille


Wenn jemand unsere Entscheidung nicht versteht, bedeutet das nicht automatisch, dass sie falsch ist. Vielleicht würde dieser Mensch niemals alleine verreisen, braucht sehr viel Sicherheit, während wir gerade ein bisschen Abenteuer brauchen, oder findet einen festen Arbeitsplatz beruhigend, während wir uns dort zunehmend eingeengt fühlen. Vielleicht würde er niemals mit 50, 60 oder 70 noch einmal etwas Neues anfangen, während wir allein bei dem Gedanken daran plötzlich wieder dieses Kribbeln spüren.

Wir bewerten Entscheidungen nun einmal aus dem Leben heraus, das wir selbst kennen, und natürlich gilt das auch andersherum. Was für mich völlig unverständlich erscheint, kann für einen anderen Menschen genau richtig sein. Ich muss nicht denselben Wunsch haben, um anzuerkennen, dass er für jemand anderen wichtig ist.


Wir müssen eine Entscheidung nicht verstehen, um einen Menschen darin ernst zu nehmen.

„Das würde ich an deiner Stelle niemals machen“


Dieser Satz ist wahrscheinlich so alt wie die Menschheit und vielleicht stimmt er sogar. Du würdest es an meiner Stelle niemals machen, aber du bist eben auch nicht an meiner Stelle.


Du hast deine Erfahrungen, deine Ängste, deine Wünsche, deine Vorstellungen von Sicherheit und dein Bild davon, wie ein gutes Leben aussehen sollte, und ich habe meine. Gerade in Familien treffen dabei manchmal sogar unterschiedliche Generationen aufeinander. Was für die eine Generation Sicherheit bedeutete, kann sich für die nächste bereits ganz anders anfühlen, denn Lebensentwürfe verändern sich, Möglichkeiten verändern sich und auch unsere Vorstellungen davon, was wir mit unserem Leben anfangen möchten, bleiben nicht für immer dieselben.


Das bedeutet keineswegs, dass der Rat älterer Menschen nichts wert wäre. Im Gegenteil, Erfahrung kann unglaublich wertvoll sein, nur ist Erfahrung etwas anderes als Entscheidungshoheit.


Ich darf dir zuhören, deine Bedenken ernst nehmen und darüber nachdenken und ich darf anschließend trotzdem anders entscheiden.


Vielleicht steckt hinter dem kritischen Blick sogar Liebe


Das vergessen wir schnell, denn manche Menschen reagieren skeptisch, weil sie uns eine bestimmte Entscheidung tatsächlich nicht zutrauen, während andere genauso reagieren, weil sie Angst haben, dass uns etwas passieren könnte. Eltern möchten ihre Kinder schützen, Partner fürchten vielleicht eine Veränderung, deren Folgen sie noch nicht einschätzen können, und Freunde sehen möglicherweise ein Risiko, das ihnen selbst viel größer erscheint als uns.


Deshalb muss aus einem „Warum willst du das machen?“ nicht sofort ein Kampf werden. Wir können zuhören und trotzdem bei uns bleiben, und vielleicht lautet die erwachsene Antwort manchmal schlicht: „Ich verstehe, dass du dir Gedanken machst. Ich habe sie mir auch gemacht.“


Danach muss kein zwölfseitiger Antrag auf Genehmigung folgen.


Unterstützung bedeutet nicht, alles gutzuheißen


Einen Menschen zu unterstützen bedeutet nicht, jede seiner Entscheidungen großartig finden zu müssen. Wir dürfen anderer Meinung sein, Fragen stellen und sogar sagen, dass wir selbst einen anderen Weg wählen würden. Aber zwischen „Ich sehe das anders“ und „Deshalb solltest du es nicht tun“ liegt ein großer Unterschied.


Vielleicht ist Unterstützung manchmal genau das: einem erwachsenen Menschen zuzutrauen, dass er seinen eigenen Weg finden darf, einschließlich seiner Umwege. Denn auch eine Entscheidung, die sich später als nicht ideal herausstellt, muss nicht automatisch ein Fehler fürs Leben gewesen sein. Wir lernen schließlich nicht ausschließlich aus den Dingen, die hervorragend funktionieren, und manches verstehen wir tatsächlich erst, nachdem wir es ausprobiert haben.


Du musst andere nicht überzeugen, aber dich selbst verstehen



Manchmal hilft es, für einen Moment nicht durch die Augen der anderen auf das eigene Leben zu schauen.
Manchmal hilft es, für einen Moment nicht durch die Augen der anderen auf das eigene Leben zu schauen.

Damit kommen wir für mich zum entscheidenden Punkt, denn es geht natürlich nicht darum, von heute an jeden gut gemeinten Rat mit einem lässigen „Ist mein Leben!“ abzubügeln. Das wäre genauso wenig hilfreich wie ständig auf die Zustimmung anderer zu warten.


Es lohnt sich durchaus, die eigenen Wünsche genauer anzuschauen und sich zu fragen, warum ich etwas möchte, was ich mir davon erhoffe und was sich dadurch in meinem Leben verändern würde. Welche Konsequenzen könnte meine Entscheidung haben, kann und möchte ich diese tragen und – vielleicht ist das sogar die schönste Frage – was würde dadurch mehr Raum in meinem Leben bekommen?


Mehr Freude, mehr Ruhe, mehr Freiheit, mehr Verbindung, mehr Lebendigkeit, mehr Zeit oder einfach das Gefühl, wieder ein bisschen mehr Gestalterin meines eigenen Lebens zu sein? Wenn ich darauf eine Antwort finde, brauche ich möglicherweise gar keine zehn Argumente mehr für die Menschen um mich herum, denn dann weiß zumindest ich, warum ich losgehen möchte.


Veränderung muss nicht gleich das ganze Leben auf den Kopf stellen


Wenn wir von Veränderung sprechen, denken wir schnell an die großen Geschichten: Trennung, Kündigung, Umzug, Auswandern oder kompletter Neuanfang. Dabei beginnt vieles wesentlich unspektakulärer.


Vielleicht möchtest du wieder häufiger Menschen treffen, die dir guttun, und wartest nicht mehr darauf, dass jemand anderes anruft. Oder du möchtest endlich einen Kurs besuchen, der dich seit Monaten interessiert, mehr Zeit für dich haben, wieder Sport machen, ein Wochenende alleine wegfahren, etwas lernen oder ein Projekt beginnen, von dem bisher nur du weißt.


Es muss nicht immer gleich ein neues Leben her. Manchmal reicht zunächst ein neuer Schritt im alten, und dann darfst du beobachten, was passiert.


Rückblickend müssen wir längst nicht mehr alles erklären


Beim Schreiben meines Buches „Die Löwin auf der Bettkante“ habe ich mich zwangsläufig noch einmal mit Entscheidungen und Lebensphasen beschäftigt, die schon lange hinter mir liegen, und dabei ist mir etwas aufgefallen: Rückblickend muss ich längst nicht mehr jede Entscheidung erklären.


Manche würde ich heute anders treffen, andere genauso wieder, und bei einigen weiß ich inzwischen, dass sie für andere Menschen wahrscheinlich nie vollkommen nachvollziehbar sein werden. Das müssen sie auch nicht, denn sie gehören zu meinem Weg und haben ihren Teil dazu beigetragen, dass ich heute die Frau bin, die ich bin.

Und das ist eine der Freiheiten, die mit den Jahren kommen darf: nicht mehr für jede Abzweigung im eigenen Leben nachträglich eine Verteidigungsrede halten zu müssen.


Eine kleine Seelenzeit für dich


Gibt es gerade etwas, das du gerne verändern würdest? Noch nichts Riesiges, sondern möglicherweise nur einen Gedanken, der immer wieder auftaucht und den du bisher ziemlich schnell zur Seite schiebst. Dann frag dich einmal nicht zuerst, was andere dazu sagen würden, sondern was du dir eigentlich wünschst. Was würde dadurch in deinem Leben mehr Raum bekommen, was hält dich bisher davon ab und was wäre ein erster kleiner Schritt, den du gehen könntest?


Du musst heute noch nicht wissen, wohin der ganze Weg führt, aber du musst auch nicht länger darauf warten, dass jemand anderes dir bestätigt, dass du ihn gehen darfst.

Wenn du beim Nachdenken merkst, dass du dich mit deinen eigenen Antworten im Kreis drehst oder gar nicht mehr so genau weißt, was du eigentlich möchtest, darfst du dir Unterstützung holen. Nicht damit dir jemand sagt, welche Entscheidung die richtige ist, sondern damit du einen Raum hast, in dem du deine Gedanken sortieren und deine eigenen Antworten wieder besser hören kannst.


Genau SO verstehe ich Begleitung.


Wenn du magst, schreib mir gerne persönlich oder buch dir direkt einen unverbindlichen Gesprächsmoment mit mir.


Mein Buch „Die Löwin auf der Bettkante“ ist vor wenigen Tagen erschienen. Darin erzähle ich auch von Entscheidungen, Erfahrungen und Lebensphasen, die mich geprägt haben – nicht als Anleitung dafür, wie ein Leben richtig gelebt wird, sondern als Einladung, vielleicht einmal mit anderen Augen auf das eigene zu schauen.

Denn am Ende müssen wir nicht alle denselben Weg wählen.


Wir sollten nur irgendwann merken, ob der, auf dem wir gerade laufen, noch unser eigener ist.

Fühl dich gedrückt.


Gitti 💛


Noch ein kleiner Hinweis

Wenn du nach dem Lesen noch ein bisschen bei Herzsamkeit bleiben möchtest: Auf meiner neu gestalteten Webseite findest du inzwischen alles an einem Ort – meine persönlichen Begleitungen, meinen Newsletter mit Zugang zu meinem kostenlosen 25-seitigen E-Book, weitere Artikel aus meinem Blog Seelenzeit und natürlich auch mein Buch „Die Löwin auf der Bettkante“.


Schau dich gerne in Ruhe um und nimm dir das mit, was gerade zu dir und deinem Leben passt. Herzsamkeit entdecken

 
 
 

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