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Im letzten Blogartikel habe ich unser Nervensystem nur ganz kurz erwähnt. Ehrlich gesagt hätte ich nicht gedacht, dass gerade dieser kleine Abschnitt so viele Rückmeldungen auslösen würde. Einige von euch schrieben mir, dass sie sich mit diesem Thema bisher noch nie beschäftigt hatten. Andere erzählten, dass sie plötzlich angefangen haben, ihre eigenen Reaktionen etwas besser zu verstehen. Und genau deshalb möchte ich heute noch einmal darauf zurückkommen.


Ich glaube nämlich, dass wir unserem Nervensystem viel zu wenig Aufmerksamkeit schenken. Nicht, weil es unwichtig wäre. Ganz im Gegenteil. Sondern weil es so selbstverständlich geworden ist, dass wir kaum darüber nachdenken, welche großartige Arbeit es jeden einzelnen Tag für uns leistet.


Kennst du das auch?


Hast du schon einmal einen Raum betreten und sofort gespürt, dass dort eine merkwürdige Stimmung herrscht, obwohl noch niemand etwas gesagt hat?


Oder ist dir schon einmal aufgefallen, dass dir ein einziger Satz den ganzen Tag verderben konnte, während eine liebevolle Umarmung plötzlich alles ein wenig leichter gemacht hat?


Vielleicht kennst du auch dieses Gefühl, dass dir jemand auf Anhieb sympathisch ist, während du bei einem anderen Menschen zunächst einmal vorsichtig bleibst, obwohl du ihn kaum kennst.



Über solche Momente habe ich in den letzten Jahren immer wieder mal nachgedacht. Nicht, weil ich für alles eine Erklärung gesucht habe, sondern weil ich verstehen wollte, warum unser Körper manchmal schon reagiert, bevor unser Verstand überhaupt begriffen hat, was gerade passiert.


Je mehr ich mich mit unserem Nervensystem beschäftigt habe, desto klarer wurde mir, wie unglaublich aufmerksam unser Körper eigentlich ist. Während wir einkaufen, arbeiten, spazieren gehen oder mit Freunden zusammensitzen, verarbeitet er ununterbrochen Eindrücke. Er hört den Klang einer Stimme, nimmt einen Blick wahr, registriert eine Berührung oder spürt, ob sich eine Situation sicher oder angespannt anfühlt. Das meiste davon geschieht, ohne dass wir es bewusst bemerken.


Vielleicht erklärt genau das, warum wir manchmal sagen: "Irgendetwas stimmt hier nicht." Nicht, weil wir hellsehen können, sondern weil unser Körper bereits viel mehr wahrgenommen hat, als unser Kopf in diesem Moment einordnen kann.


Unser Nervensystem stellt den ganzen Tag im Grunde immer wieder dieselbe Frage:

Fühle ich mich hier sicher?


Diese Frage entscheidet über viel mehr, als uns bewusst ist.

Denn, fühlen wir uns sicher, fällt es uns leichter zu lachen, offen auf andere Menschen zuzugehen, neugierig zu bleiben oder einfach den Moment zu genießen. Erleben wir dagegen Stress, Unsicherheit oder haben in der Vergangenheit schmerzhafte Erfahrungen gemacht, reagiert unser Körper häufig vorsichtiger. Das ist keine Schwäche und auch kein persönlicher Fehler. Es ist zunächst einmal eine ganz natürliche Schutzreaktion.


Vielleicht ist dir schon einmal aufgefallen, dass manche Menschen sehr schnell Vertrauen fassen, während andere erst einmal beobachten und sich langsam herantasten. Früher habe ich gedacht, das sei einfach eine Frage des Charakters. Heute glaube ich, dass auch unser Nervensystem dabei eine wichtige Rolle spielt. Erfahrungen hinterlassen Spuren. Wer häufig Sicherheit erlebt hat, reagiert oft anders als jemand, der immer wieder Enttäuschungen erfahren musste. Vorsicht ist deshalb nicht automatisch Misstrauen. Manchmal ist sie einfach eine verständliche Form von Selbstschutz.


Das Schöne daran ist, dass unser Nervensystem ein Leben lang lernen kann.

Jede Erfahrung, die wir als sicher erleben, kann dazu beitragen, dass wir Schritt für Schritt mutiger werden. Nicht, weil plötzlich jede Angst verschwindet, sondern weil unser Körper nach und nach erfährt: "Ich habe das geschafft. Und ich bin trotzdem sicher."


Ein Mensch, der mir sehr wichtig ist, geriet vor einiger Zeit in eine schwierige Lebenssituation. Innerhalb weniger Stunden musste vieles organisiert werden. Ich habe begleitet, Entscheidungen getroffen, zugehört und einfach das getan, was in diesem Moment notwendig war. Während all das geschah, habe ich erstaunlich wenig gespürt. Dafür war in dieser Situation kein Platz.


Erst als ich später wieder allein im Auto saß und wusste, dass dieser Mensch in guten Händen war, kamen die Tränen. In dem Moment konnte ich loslassen und alles für mich fühlen. Da war Traurigkeit, aber auch Wut. Dann natürlich auch die Sorge über die Zukunft und meine eigene Erschöpfung dazu. Ich kenne das von mir sehr gut. In belastenden Situation hole ich alle Ressourcen hervor, damit ich handlungsfähig bleibe. Aber in der anschließenden Ruhe fühlt mein Körper alles noch einmal und holt alle Emotionen heraus...


Viele Menschen kennen dieses Phänomen auch nach einer Prüfung, einem Krankenhausbesuch, einer belastenden Familiengeschichte oder nach Situationen, in denen einfach alles auf einmal passiert.


Als ich das verstanden hatte, veränderte sich mein Blick auf meinen Körper.

Seitdem frage ich mich viel seltener, was mit mir nicht stimmt. Stattdessen frage ich mich: Was hat mein Körper in den letzten Stunden oder Tagen eigentlich alles für mich geleistet?



Allein dieser Gedanke macht einen großen Unterschied.

Er nimmt den Druck heraus. Er schafft Verständnis und vielleicht lädt er uns dazu ein, liebevoller mit uns selbst umzugehen.


Drei Fragen für dich

💭 Wann hast du zuletzt gespürt, dass dein Körper auf etwas reagiert hat, bevor dein Verstand es erklären konnte?


💭 Woran merkst du, dass dein Nervensystem gerade Ruhe und Erholung braucht?


💭 Welche kleinen Momente schenken dir das Gefühl von Sicherheit und helfen dir, wieder bei dir anzukommen?


Ich freue mich auf den Austausch


Mich würde interessieren, ob du solche Situationen auch kennst. Vielleicht gab es einen Moment, in dem du erst im Nachhinein verstanden hast, warum dein Körper so reagiert hat. Wenn du magst, erzähl mir gerne davon in den Kommentaren. Und falls dir ein persönlicher Austausch lieber ist, kannst du mir jederzeit an lebensfreudeistherzsamkeit@gmail.com schreiben. Nicht alles möchte man öffentlich teilen und das ist völlig in Ordnung.


Wenn dich solche Gedanken begleiten, findest du hier im Blog, in meinem Newsletter und auf Instagram unter @herzsamkeit_lebensfreude regelmäßig neue Impulse.


Und vielleicht nimmst du heute nur diesen einen Gedanken mit:

Unser Körper arbeitet die meiste Zeit nicht gegen uns. Er versucht jeden Tag aufs Neue, gut für uns zu sorgen.

Fühl dich gedrückt.


Gitti 💛

 
 
 

Es gibt Tage, die beginnen wie jeder andere.


Der Wecker klingelt zur gleichen Zeit. Der Kaffee schmeckt wie gestern. Draußen fahren Autos vorbei, irgendwo bellt ein Hund, und der Kalender sieht nicht voller aus als noch vor einer Woche.


Eigentlich hat sich nichts verändert und trotzdem fühlt sich plötzlich alles schwerer an.

Der Gedanke an den Einkauf kostet Überwindung. Eine Nachricht zu beantworten wird auf später verschoben. Der Wäschekorb bleibt stehen, obwohl er gestern genauso voll gewesen ist. Selbst kleine Entscheidungen scheinen plötzlich erstaunlich viel Energie zu kosten.

Fast unbemerkt taucht der Gedanke auf: Was stimmt eigentlich gerade nicht mit mir?


Ich glaube, fast jeder kennt solche Tage. Sie wirken zunächst rätselhaft, weil wir im Außen nach einer Erklärung suchen und keine finden. Der Alltag sieht aus wie immer, und doch fühlt er sich anders an. Früher habe ich in solchen Momenten versucht, mich einfach zusammenzureißen. Ich dachte, ich müsste nur disziplinierter sein oder mich noch ein wenig mehr anstrengen. Heute weiß ich, dass diese Antwort für mich nie die richtige war.


🌿 Interessanter Gedanke


Manchmal verändert sich nicht zuerst unser Alltag, sondern oft verändert sich zuerst die Art, wie unser Körper auf diesen Alltag reagiert. Nicht jede Erschöpfung hat dieselbe Ursache und jede körperliche Beschwerde erzählt dieselbe Geschichte. Trotzdem lohnt es sich, mal neugierig hinzuhören, bevor wir alles möglichst schnell wieder verschwinden lassen möchten.


Aus dieser Neugier heraus begann ich, mich im Laufe meiner Ausbildung und meiner eigenen Entwicklung intensiver mit unserem Nervensystem zu beschäftigen. Anfangs wollte ich einfach nur verstehen, warum ich mich an manchen Tagen voller Energie fühlte und an anderen schon von kleinen Dingen erschöpft war. Je mehr ich darüber las und lernte, desto faszinierter war ich. Mir war vorher überhaupt nicht bewusst gewesen, wie unglaublich viel unser Nervensystem den ganzen Tag für uns leistet – und wie viele Faktoren Einfluss auf unser Wohlbefinden haben. Manche Erkenntnisse haben mich wirklich überrascht. Zum Beispiel die Tatsache, dass unser Körper auch nach den Wechseljahren seinen eigenen Rhythmus behält. Die monatliche Blutung endet irgendwann, viele innere Prozesse und Zyklen jedoch nicht. Ich erinnere mich noch gut daran, wie erstaunt ich darüber war. Es war einer dieser Momente, in denen ich dachte: Warum erzählt uns das eigentlich niemand?


Es hilft uns nicht nur dabei, mit Stress umzugehen. Es entscheidet mit darüber, ob wir uns sicher fühlen, ob wir entspannen können, wie wir auf Belastungen reagieren und wie schnell wir nach anstrengenden Phasen wieder in unser Gleichgewicht zurückfinden. Eigentlich begleitet es uns in jedem einzelnen Moment unseres Lebens und trotzdem schenken die meisten von uns ihm kaum Aufmerksamkeit.


Vor einigen Tagen habe ich meinen Kalender ganz bewusst einmal nicht bestimmen lassen, wie mein Tag auszusehen hat. Ich habe mir Zeit gelassen, schöne Gespräche geführt, Dinge in meinem eigenen Tempo erledigt und mir erlaubt, einfach den Moment zu genießen. Als ich heute Morgen aufgewacht bin, fiel mir auf, wie viel gelassener ich war. Dieselben Situationen waren noch da, aber ich bin ihnen anders begegnet.


Diese Erfahrung erinnert mich immer wieder daran, dass unser Nervensystem nicht nur auf Belastungen reagiert. Es reagiert genauso auf alles, was uns Kraft schenkt. Auf Ruhe. Auf Natur. Auf Menschen, bei denen wir uns angenommen fühlen. Auf Gespräche, nach denen wir mit einem Lächeln nach Hause gehen. Auf Lachen. Auf kleine Auszeiten, in denen wir einmal nichts leisten müssen.


Genauso spürt unser Nervensystem aber auch dauerhafte Anspannung, Konflikte oder eine Atmosphäre, in der wir ständig auf der Hut sind. Nicht allem können wir aus dem Weg gehen. Das Leben besteht nun einmal nicht nur aus schönen Momenten. Umso wichtiger erscheint es mir, dass wir uns immer wieder kleine Inseln schaffen, auf denen unser Inneres einmal durchatmen darf.


Auch unsere Sprache macht mich in diesem Zusammenhang immer wieder nachdenklich.


Wir sagen, dass uns etwas im Magen liegt. Dass wir eine schwere Last auf den Schultern tragen. Dass uns etwas den Atem nimmt oder wir ein ungutes Bauchgefühl haben. Ob sich hinter solchen Redewendungen im Einzelfall tatsächlich ein Zusammenhang verbirgt, lässt sich nicht pauschal beantworten. Mich machen sie trotzdem neugierig. Sie erinnern mich daran, meinem Körper aufmerksam zuzuhören, statt ihn nur möglichst schnell wieder zum Funktionieren bringen zu wollen.


Seit ich mich mit diesen Zusammenhängen beschäftige, hat sich eine Frage in meinem Alltag verändert. Früher fragte ich mich oft: Was stimmt eigentlich nicht mit mir?

Heute frage ich mich viel häufiger: Was möchte mir mein Körper gerade zeigen?


Allein diese kleine Veränderung nimmt erstaunlich viel Druck heraus. Aus Selbstkritik wird Neugier. Aus einem inneren Kampf wird eine Einladung, genauer hinzuschauen.

Für mich beginnt Achtsamkeit genau dort.


Nicht damit, sofort eine Antwort auf alles finden zu müssen. Sondern damit, zunächst einmal wahrzunehmen, was gerade da ist – möglichst ohne Bewertung und ohne vorschnelles Urteil. Denn erst wenn wir bereit sind hinzuschauen, entsteht überhaupt die Möglichkeit, uns selbst besser zu verstehen.


Drei Fragen für dich


💭 Wann hast du zuletzt bemerkt, dass dir plötzlich alles zu viel wurde, obwohl sich im Außen kaum etwas verändert hatte?


💭 Welche kleinen Momente schenken dir neue Kraft und helfen dir dabei, wieder etwas mehr bei dir anzukommen?


💭 Wenn dein Körper heute mit dir sprechen könnte – was glaubst du, würde er dir gerade sagen?


Ich freue mich auf den Austausch


Mich würde interessieren, ob du solche Tage auch kennst. Wann hast du zuletzt gespürt, dass plötzlich alles schwerer wurde, obwohl sich im Außen kaum etwas verändert hatte?

Wenn du magst, erzähl mir davon unten in den Kommentaren. Ich lese jeden einzelnen Kommentar und freue mich darauf, deine Gedanken kennenzulernen.


Falls dir ein persönlicher Austausch lieber ist, kannst du mir auch jederzeit eine E-Mail an lebensfreudeistherzsamkeit@gmail.com schreiben. Nicht alles möchte man öffentlich teilen und das ist vollkommen in Ordnung.


Wenn dich solche Gedanken begleiten, findest du hier im Blog, in meinem Newsletter und auf Instagram regelmäßig neue Impulse rund um Achtsamkeit, Selbstreflexion und den liebevollen Blick auf das Leben.


🌿 Auf Instagram findest du mich unter @herzsamkeit_lebensfreude.


Und vielleicht nimmst du heute nur diesen einen Gedanken mit:


Achtsamkeit beginnt nicht damit, sofort Antworten zu finden. Sie beginnt damit, einen Moment innezuhalten und sich selbst mit derselben Freundlichkeit zu begegnen, die wir einem lieben Menschen schenken würden.

Fühl dich gedrückt.


Gitti 💛

 
 
 

Es gibt Beobachtungen, die einen nicht mehr loslassen. In den letzten Wochen ist mir eine davon immer wieder begegnet – in Gesprächen, in Nachrichten, in Kommentaren unter einem Beitrag und auch ganz nebenbei im Alltag. Je mehr ich zuhörte, desto deutlicher wurde mir, dass sich hinter ganz unterschiedlichen Geschichten oft dieselbe Sehnsucht verbirgt.


Die meisten Menschen wünschen sich Verbindung. Sie wünschen sich jemanden, mit dem sie offen sprechen können, der ehrlich ist, zuhört, mit dem sie lachen können und bei dem sie sich nicht verstellen müssen. Eigentlich klingt das gar nicht nach einem großen Wunsch. Und trotzdem scheint genau das für viele Menschen schwieriger zu sein, als es auf den ersten Blick aussieht.


Du lernst einen Menschen kennen, verstehst dich gut und freust dich über den Austausch. Das Gespräch fühlt sich leicht an, ihr habt ähnliche Werte, ähnliche Interessen oder einfach das Gefühl, euch ohne große Anstrengung unterhalten zu können. Doch noch bevor sich diese Verbindung in Ruhe entwickeln darf, beginnt der Kopf zu arbeiten. Plötzlich tauchen Gedanken auf, die vorher gar nicht da waren. Meldet sich der andere jetzt öfter? Erwartet er mehr Zeit mit mir? Schaffe ich das überhaupt neben meinem Alltag? Und was passiert, wenn ich einmal absage oder mich zurückziehe, weil ich einfach einen ruhigen Abend für mich brauche?


Das Erstaunliche ist, dass der andere in den meisten Fällen überhaupt nichts eingefordert hat. Trotzdem fühlt sich die Begegnung auf einmal schwerer an. Nicht, weil sich der Mensch verändert hat, sondern weil wir beginnen, uns auszumalen, was diese Verbindung irgendwann von uns verlangen könnte. Aus einer schönen Begegnung wird gedanklich eine Verpflichtung, aus Interesse entsteht Verantwortung und aus einer lockeren Nachricht wird plötzlich das Gefühl, ständig erreichbar sein zu müssen.


Wenn ich eines in den letzten Jahren verstanden habe, dann dies: Viele Menschen haben gar keine Angst vor Nähe. Sie haben Angst vor den Vorstellungen, die sie mit Nähe verbinden.


Wir setzen Verbindung häufig mit Verzicht gleich. Wir glauben, dass wir für den anderen verantwortlich sind, Erwartungen erfüllen oder ständig verfügbar sein müssen. Dabei entsteht eine gesunde Verbindung genau dort, wo zwei Menschen ihr eigenes Leben behalten dürfen. Niemand muss seine Hobbys aufgeben, seine Freunde vernachlässigen oder jede freie Minute miteinander verbringen, nur weil sich eine Freundschaft oder eine Beziehung entwickelt. Trotzdem tragen viele genau diese Befürchtungen in sich. Manche haben sie schon früh gelernt, andere durch Erfahrungen entwickelt. Wer einmal erlebt hat, wie anstrengend Beziehungen oder Freundschaften werden können, geht verständlicherweise vorsichtiger auf neue Menschen zu.



Während ich letztens die vielen Kommentare unter einem meiner Beiträge auf Facebook gelesen habe, fiel mir noch etwas anderes auf. Fast niemand schrieb, dass er perfekte Menschen sucht. Niemand erwartete einen Menschen ohne Macken oder Fehler. Die meisten wünschten sich etwas viel Einfacheres: Ehrlichkeit, Verlässlichkeit, Humor, gegenseitigen Respekt und das Gefühl, so angenommen zu werden, wie sie sind.


Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich, dass Verbindungen leichter entstehen, wenn Menschen ähnliche Grundwerte teilen. Das bedeutet nicht, dass sie dieselben Interessen haben oder in allem einer Meinung sein müssen. Unterschiede dürfen bleiben – oft machen sie Gespräche sogar lebendiger. Entscheidend ist, ob Respekt, Offenheit, Ehrlichkeit und Wertschätzung den Boden bilden, auf dem Vertrauen wachsen kann.


Eigentlich wünschen wir uns also alle etwas sehr Ähnliches. Und trotzdem entstehen Missverständnisse oft genau dort, wo niemand den Mut hat auszusprechen, was gerade in ihm vorgeht.


Da zieht sich jemand zurück, weil der Alltag gerade zu voll ist. Der andere deutet dieses Schweigen als Ablehnung. Jemand antwortet später auf eine Nachricht, weil der Tag einfach keine Luft gelassen hat. Der andere denkt, er sei nicht wichtig genug. Wieder jemand sagt ein Treffen ab, weil die eigene Energie im Moment kaum für den Alltag reicht. Statt Verständnis entsteht Enttäuschung. Nicht, weil einer von beiden etwas Böses wollte, sondern weil beide ihre eigene Geschichte weitererzählen, ohne sie miteinander zu teilen.


Vieles wäre wahrscheinlich leichter, wenn wir uns häufiger trauen würden zu sagen: „Ich mag unsere Gespräche wirklich, aber ich brauche auch Zeit für mich.“ Oder: „Bitte versteh mein Schweigen nicht als Desinteresse. Im Moment ist einfach sehr viel los.“ Solche Sätze wirken unscheinbar, doch sie nehmen einer Verbindung oft mehr Druck, als wir glauben. Ehrlichkeit schafft Raum. Erwartungen entstehen dagegen meist dort, wo wir anfangen zu interpretieren, anstatt nachzufragen.


Heute glaube ich mehr denn je, dass Verbindung nicht bedeutet, möglichst viel Zeit miteinander zu verbringen. Verbindung entsteht dort, wo Menschen sich gegenseitig Freiheit lassen, ohne ständig an der Beziehung oder Freundschaft zu zweifeln. Sie wächst dort, wo niemand perfekt sein muss, wo unterschiedliche Meinungen nebeneinander stehen dürfen und wo ein Nein nicht automatisch als Zurückweisung verstanden wird. Genau diese Form von Nähe scheint sich so viele Menschen zu wünschen – eine Nähe, die nicht einengt, sondern atmen lässt.


Es lohnt sich, einen Moment innezuhalten und sich zu fragen, welche Vorstellungen wir selbst mit Verbindung verbinden. Erwarten wir von uns, immer erreichbar zu sein, sobald uns ein Mensch wichtig wird? Ziehen wir uns zurück, obwohl wir jemanden eigentlich gern mögen, weil uns alles schnell zu viel wird? Oder interpretieren wir das Verhalten anderer, obwohl eine ehrliche Frage viel mehr Klarheit schaffen würde?


Ich glaube, wir machen es uns oft schwerer, als es eigentlich sein müsste. Nicht weil wir unfähig wären, Beziehungen oder Freundschaften zu führen, sondern weil wir zu häufig auf alte Erfahrungen reagieren, anstatt dem Menschen vor uns die Chance zu geben, einfach er selbst zu sein. Verbindung entsteht nicht dort, wo alles perfekt läuft. Sie entsteht dort, wo zwei Menschen bereit sind, ehrlich miteinander umzugehen, ohne sich gegenseitig festhalten oder verändern zu wollen.


Drei Fragen für dich


💭 Welche Erwartungen verbindest du unbewusst mit einer neuen Verbindung?


💭 Gibt es Menschen, denen du gerne näher wärst, wenn die Angst vor Verpflichtung oder Enttäuschung keine Rolle spielen würde?


💭 Was würde sich verändern, wenn du Verbindung nicht als Verantwortung, sondern als gegenseitige Bereicherung betrachten würdest?


Dein nächster Schritt


Wenn dich diese Gedanken begleiten, dann bist du damit nicht allein. Genau über solche Themen schreibe ich regelmäßig hier im Blog, in meinem Newsletter und auf Instagram. Dort findest du Impulse rund um Achtsamkeit, Selbstreflexion und den Mut, den eigenen Weg mit mehr Gelassenheit zu gehen.


Ich freue mich, wenn wir uns dort wieder begegnen.


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🌿 Auf Instagram findest du mich unter @herzsamkeit_lebensfreude.


Und nimm heute vielleicht nur diesen einen Gedanken mit:


Verbindung entsteht nicht dort, wo wir einander festhalten. Sie wächst dort, wo Menschen frei bleiben dürfen und sich trotzdem immer wieder füreinander entscheiden.

Fühl dich gedrückt.


Gitti 💛

 
 
 
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