Muss eigentlich jeder Tag etwas Besonderes sein?
„Und? Was hast du am Wochenende gemacht?“
„Nichts Besonderes.“

Warum klingt diese Antwort eigentlich so, als müssten wir uns dafür entschuldigen?
Als wäre ein Wochenende erst dann erwähnenswert, wenn wir unterwegs waren, etwas erlebt, Freunde getroffen, ein neues Restaurant ausprobiert oder wenigstens einen Ausflug gemacht haben. „Nichts Besonderes“ klingt schnell nach: Da war nichts. Dabei können hinter diesen zwei Worten zwei ausgeschlafene Morgen, ein langer Kaffee, ein gutes Gespräch, ein Spaziergang, ein Buch, etwas Leckeres zu essen und dieses wunderbare Gefühl stecken, am Sonntagabend zu denken: Das war richtig schön.
Nur eben nicht spektakulär.
Ich kenne diese Unruhe selbst ziemlich gut. Ich war schon immer ein lebendiger Mensch, und wenn draußen die Sonne schien und überhaupt nichts geplant war, bekam ich schnell Hummeln im Hintern. Dann wollte ich raus, etwas unternehmen, irgendwohin fahren. Einfach zu Hause sitzen, während draußen das Leben stattfand? Schwierig.
Das Verrückte daran war allerdings, dass ich früher gleichzeitig längst nicht so selbstverständlich allein losgezogen bin wie heute. Für eine Unternehmung brauchte ich am liebsten jemanden, der mitkam. Mich allein in ein Café zu setzen und dort in aller Ruhe einen Cappuccino zu trinken, wäre mir überhaupt nicht in den Sinn gekommen. Heute kann ich das und genieße es sogar. Ich habe junge Frauen oft darum beneidet, mit welcher Selbstverständlichkeit sie allein irgendwo sitzen, reisen oder durch die Welt gehen. Inzwischen denke ich: Warum sollte ich eigentlich auf jemanden warten, wenn ich gerade Lust auf einen Cappuccino habe?
Das bedeutet nicht, dass ich plötzlich am liebsten alles allein mache. Ganz im Gegenteil. Menschen, Gespräche und Verbindung gehören für mich zu einem guten Leben unbedingt dazu. Aber ich brauche nicht mehr für jeden schönen Moment jemanden, der ihn mir ermöglicht.
Und das ist ein Unterschied.
Was macht einen ganz normalen Tag eigentlich gut?
Wenn ich mir meinen heutigen Tag anschaue, wird daraus vermutlich kein Film. Draußen scheint die Sonne, ich sitze am Schreibtisch und arbeite Dinge ab, die erledigt werden wollen. Zwischendurch wartet der Haushalt, weil der sich leider auch im Homeoffice hartnäckig weigert, sich selbst zu machen. Irgendwann trinke ich einen Kaffee, gehe eine halbe Stunde raus, bewege mich, atme frische Luft, koche mir später etwas Schönes und lande am Abend hoffentlich zufrieden auf meinem Sofa, während meine Katze ihre Streicheleinheiten einfordert.
Das war's.
Und ganz ehrlich? Wenn dieser Tag genauso verläuft, ist es für mich ein richtig guter Tag.
Nicht, weil ich mir eingeredet habe, in jeder Kleinigkeit ein Wunder entdecken zu müssen, sondern weil dieser Alltag gerade zu meinem Leben passt. Ich erledige Dinge, die mir wichtig sind, schaffe mir dadurch wieder freien Raum und weiß, wofür ich diesen Raum haben möchte: für Menschen, für Erlebnisse, für Zeit draußen, für einen Herzensmenschen und für all das, was mir Freude macht.
Dabei habe ich heute Möglichkeiten, die ich früher so nicht hatte. Ich arbeite von zu Hause, kann mir vieles selbst einteilen, habe keine kleinen Kinder mehr zu versorgen und kein Haus mit Garten, das regelmäßig laut „Hallo, hier wartet Arbeit!“ ruft. Ich nenne das inzwischen ganz gern ein bisschen vogelfrei.
Und ja, genau dieses Leben wollte ich.
Trotzdem hat auch Freiheit ihre weniger fotogenen Seiten. Wer viel allein zu Hause arbeitet, bekommt den sozialen Austausch nicht automatisch morgens um neun mit dem ersten Kaffee geliefert. Begegnungen brauchen Aufmerksamkeit. Ich muss rausgehen, mich verabreden, Menschen anrufen und dafür sorgen, dass aus Selbstbestimmung nicht irgendwann unbemerkt Rückzug wird.
Auch ein Leben, das wir bewusst gewählt haben, besteht eben nicht ausschließlich aus Sonnenschein und Cappuccino.
Draußen ist nicht automatisch Freizeit
Früher hatte ich einen Garten. Wenn schönes Wetter war, konnte ich also problemlos den ganzen Tag draußen verbringen. Nur bedeutete draußen sein noch lange nicht, dass ich gerade Freizeit hatte. Ein Garten ist nämlich ausgesprochen talentiert darin, einem ständig neue Beschäftigungsmöglichkeiten anzubieten.
Hier müsste etwas geschnitten werden, dort Unkraut raus, irgendwo wartet schon das nächste Projekt, und plötzlich verbringt man tatsächlich den ganzen Nachmittag in der Sonne – nur eben mit einer inneren To-do-Liste.

Ganz anders fühlten sich die Tage an, an denen ich bewusst mein Fahrrad genommen habe, irgendwohin gefahren bin, an einer Blockhütte ein Radler getrunken oder mich mit einem Buch ans Wasser gesetzt habe. Rein äußerlich war ich in beiden Fällen draußen. Innerlich lagen Welten dazwischen.
Vielleicht liegt genau dort ein Teil unserer Antwort. Ein besonderer Tag wird nicht automatisch dadurch besonders, dass möglichst viel passiert. Und ein gewöhnlicher Tag ist nicht automatisch langweilig, nur weil am Abend nichts davon einen Platz im Fotoalbum bekommt.
Entscheidend ist doch viel eher: Wie habe ich mich darin gefühlt?
Und dann öffnen wir Social Media …
Dort sieht das Leben häufig etwas anders aus. Wir sehen Reisen, wunderschöne Wohnungen, Frühstück mit Meerblick, freie Zeiteinteilung, Selbstständigkeit, Erfolg und Menschen, die offenbar montags um elf mit dem Laptop am Pool sitzen, während der Rest der Welt gerade versucht, die dritte Videokonferenz zu überleben.
Ich finde es grundsätzlich großartig, dass wir heute so viele verschiedene Lebensmodelle sehen können. Gerade jüngere Menschen wachsen mit Möglichkeiten auf, die für meine Generation lange überhaupt nicht selbstverständlich waren. Arbeiten muss nicht zwingend bedeuten, jeden Morgen zur gleichen Uhrzeit am gleichen Ort zu erscheinen. Karriere kann anders aussehen. Leben kann anders aussehen.
Schwierig wird es für mich dort, wo aus einer persönlichen Erfolgsgeschichte unterschwellig eine Gebrauchsanweisung wird:
Wenn du es richtig machst, kannst du genauso leben.
Ich habe selbst erlebt, wie schnell solche Bilder Sehnsüchte wecken können. Da erzählt jemand von Freiheit, Coaching, persönlicher Entwicklung und einem siebenstelligen Jahresumsatz, und irgendwann sieht es so aus, als müsste zwischen der Entscheidung für ein eigenes Business und der ersten Million eigentlich nur noch das richtige Mindset liegen.
Nun ja...
Ich arbeite seit Jahren an meinem Business. Nicht vom Strand aus, nicht mit siebenstelligem Jahresumsatz und meistens auch ohne jemanden, der dabei die Kamera hält. 😄
Und trotzdem würde ich meine Entscheidung nicht zurücknehmen. Ich wollte selbstbestimmter arbeiten, schreiben, Menschen begleiten, gestalten und mir meine Zeit anders einteilen. Genau dafür bin ich losgegangen. Dass mein Weg anders aussieht als der einer Frau, die mir auf Social Media ihre Geschichte erzählt, macht ihn nicht weniger richtig.
Denn das Leben zwischen den großen Erfolgen, besonderen Reisen und beeindruckenden Bildern besteht nun einmal aus ziemlich vielen gewöhnlichen Tagen.
Und genau die sollten sich irgendwann auch gut anfühlen.
Eine Tasse Kaffee repariert kein Leben, das dich unglücklich macht
An dieser Stelle ist mir etwas wichtig.
Wenn du meine Blogartikel liest, möchte ich dir damit keine heile Welt vorspielen. Ich glaube nicht daran, dass ein Kaffee in der Sonne, ein Spaziergang oder fünf Minuten Dankbarkeit plötzlich alles in Ordnung bringen, wenn du in deinem Leben dauerhaft unglücklich bist. Ein Cappuccino löst keine Beziehungskrise, ein Sonnenstrahl verändert keinen Arbeitsplatz, zu dem du jeden Morgen mit Bauchschmerzen gehst, und auch die schönste Kerze auf dem Tisch macht aus permanenter Erschöpfung noch keinen guten Alltag.
Seelenzeit ist keine heile Welt. Seelenzeit ist eine Einladung, deine eigene etwas genauer anzuschauen.
Ich möchte dir hier Gedanken mitgeben, die dich für einen Moment innehalten lassen: Wie fühlt sich mein Leben gerade eigentlich an? Was läuft gut? Was fehlt mir? Was nehme ich nur noch hin, weil es längst zu meinem Alltag gehört? Und gibt es etwas, das ich aus einer anderen Richtung betrachten könnte?
Nicht jede Antwort verlangt nach einer großen Veränderung. Es gibt Situationen, bei denen ein anderer Blick tatsächlich etwas verändert, und es gibt andere, die keine schönere Perspektive brauchen, sondern irgendwann eine Entscheidung.
Aber dafür muss ich zunächst ehrlich hinschauen.
Nicht darauf, wie mein Leben aussehen sollte. Nicht darauf, wie andere es bewerten. Und auch nicht darauf, wie ich es auf Instagram zeigen könnte.
Sondern darauf, wie es sich für mich anfühlt.
Unspektakulär und unglücklich sind zwei völlig verschiedene Dinge
Eine ganze Woche ohne großes Highlight kann für mich heute eine richtig gute Woche sein. Ich schlafe gut, arbeite an Dingen, die mir wichtig sind, habe nette Gespräche, trinke meinen Kaffee, lache zwischendurch, sehe Menschen, die mir guttun, und gehe am Abend zufrieden ins Bett.
Was sollte daran langweilig sein?
Etwas völlig anderes wäre eine Woche, in der ich jeden Morgen aufstehe und schon beim Gedanken an den Tag Bauchschmerzen bekomme. Wenn ich mich an einem Ort aufhalte, an dem ich mich dauerhaft unwohl fühle, eine Arbeit erledige, die mich körperlich oder psychisch immer weiter auslaugt, kaum Verbindung zu anderen Menschen habe und abends nur froh bin, dass wieder ein Tag vorbei ist. Dann brauche ich niemanden, der mir erzählt, ich solle meinen Morgenkaffee achtsamer trinken.
Genau deshalb möchte ich das gewöhnliche Leben nicht romantisieren.
Ein gewöhnlicher Tag kann ein richtig guter Tag sein, wenn ich mich in meinem eigenen Leben grundsätzlich noch wiederfinde.
Und wenn ich das nicht mehr tue, lohnt es sich hinzuschauen.
Muss also jeder Tag etwas Besonderes sein?
Für mich lautet die Antwort inzwischen ziemlich eindeutig: Nein.
Ich möchte weiterhin reisen, Neues entdecken, spontan irgendwohin fahren, mit Menschen lachen, Pläne schmieden und Dinge erleben, auf die ich mich schon Tage vorher freue. Die Hummeln in meinem Hintern sind schließlich nicht ausgewandert. Sie haben nur gelernt, zwischendurch auch einmal Pause zu machen. 😄
Aber ich möchte mein Leben nicht daran messen, wie viele besondere Momente ich in einer Woche untergebracht habe. Ein Tag darf einfach gut sein.

Ein bisschen Arbeit, ein bisschen Haushalt, ein Gespräch, ein Kaffee, frische Luft, gutes Essen, meine Katze auf dem Sofa und am Abend dieses leise Gefühl: Ich bin zufrieden.
Denn womöglich ist das gar nicht so wenig.
Und wenn du gerade auf deine letzten Tage schaust, interessiert mich viel weniger, was du alles erlebt hast. Mich interessiert etwas anderes:
Fühlt sich dein ganz normaler Alltag noch nach deinem Leben an?
Wenn deine Antwort Ja lautet, brauchst du daraus kein größeres Ereignis zu machen. Dann darf ein gewöhnlicher Dienstag einfach ein guter Dienstag sein.
Und wenn deine Antwort schon länger Nein lautet, dann muss morgen nicht dein komplettes Leben auf den Kopf gestellt werden. Aber du könntest anfangen, dir zuzuhören und herauszufinden, was dir fehlt, was du verändern möchtest und welcher erste Schritt sich nach deinem anfühlt.
Genau dabei begleite ich Frauen in meiner persönlichen Arbeit. Nicht mit einer fertigen Vorstellung davon, wie ein gutes Leben auszusehen hat, sondern mit Raum für das, was dein gutes Leben ausmacht.
Wenn du merkst, dass du darüber gern einmal mit mir sprechen möchtest, kannst du mir persönlich schreiben oder dir direkt einen unverbindlichen Gesprächsmoment mit mir buchen.
Und bis dahin wünsche ich dir keinen außergewöhnlichen Tag.
Ich wünsche dir einen, an dessen Ende du sagen kannst:
Der war gut!!!
Fühl dich gedrückt.
Gitti 💛



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