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Kannst du dich immer noch aus vollem Herzen auf etwas freuen?

vor 3 Tagen
7 Min. Lesezeit

„Freue mich!“

Wie oft hast du diese zwei Wörter schon unter eine Nachricht geschrieben? Wir verabreden uns zum Kaffee, planen ein gemeinsames Essen, einen Ausflug oder ein Wochenende und tippen zum Abschluss ganz selbstverständlich: „Freue mich!“ Ein Herzchen dahinter, ein lachendes Gesicht oder zwei Hände, die vorsorglich schon einmal Konfetti werfen.

Aber spürst du in diesem Moment tatsächlich etwas?


Ich meine nicht, ob du den Termin nett findest oder weißt, dass der Abend bestimmt schön wird, sondern dieses echte Gefühl von Vorfreude. Dieses kleine Kribbeln, eine Leichtigkeit oder ein Lächeln, das plötzlich auftaucht, obwohl das, worauf du wartest, noch gar nicht begonnen hat. Oder ist „Freue mich!“ inzwischen genauso selbstverständlich geworden wie „Liebe Grüße“?


Ich habe darüber in den vergangenen Tagen nachgedacht und dabei gemerkt, dass diese Frage viel größer ist, als sie zunächst klingt. Natürlich freuen wir uns auch als Erwachsene noch auf einen Urlaub, ein Treffen mit einem Herzensmenschen, einen Geburtstag, ein Konzert, eine Reise oder auf den Moment, in dem ein anstrengendes Projekt abgeschlossen ist. Und trotzdem fühlt sich diese Freude häufig anders an als früher.


Weißt du noch, wie sich Vorfreude als Kind angefühlt hat?


Als Kind musste uns niemand erklären, dass wir uns auf etwas freuten, denn man sah es uns an. Wir zählten, wie oft wir noch schlafen mussten, bis die Ferien begannen, wollten wissen, wann endlich Weihnachten ist, wann es in den Urlaub geht oder der eigene Geburtstag kommt. Ein Ausflug konnte schon Tage vorher aufregend sein und die Aussicht auf sechs Wochen Sommerferien fühlte sich ungefähr so an, als läge die gesamte Welt vor uns. Ob alles genauso stattfinden würde, wie wir es uns ausgemalt hatten, spielte dabei kaum eine Rolle.


Heute planen wir eine Reise und beginnen erst einmal mit einer Checkliste. Was muss mit? Welche Unterlagen brauchen wir? Ist die Versicherung geklärt? Welche Medikamente gehören ins Gepäck? Brauche ich für mein Reiseziel eine Impfung? Wo parke ich das Auto? Wer kümmert sich währenddessen um alles, was zu Hause bleibt?

Willkommen im Erwachsenenleben. Die Zahnbürste allein reicht offenbar nicht mehr. 😄

Natürlich ist vieles davon vernünftig und notwendig, schließlich tragen wir Verantwortung und möchten gut vorbereitet sein.


Trotzdem kam mir beim Schreiben gerade ein ziemlich verwegener Gedanke:

Warum eigentlich nicht mit einem Rucksack, einer Packung Kekse und grenzenlosem Vertrauen in die Welt losziehen?

Na gut, die Zahnbürste würde ich vermutlich trotzdem einpacken. 😉


Und genau an dieser Stelle wird es interessant. Vorbereitung und Kontrolle sind nämlich nicht dasselbe. Ich kann mich um das kümmern, was tatsächlich in meiner Hand liegt, und trotzdem akzeptieren, dass ich den Verlauf einer Reise, eines Treffens oder meines Lebens nicht im Voraus bestimmen kann.

Vorbereitung gibt mir Sicherheit, Kontrolle verspricht mir Gewissheit und die gibt es nun einmal nicht.

Wann erlaubst du dir eigentlich, dich zu freuen?


Es gibt Pläne, bei denen die Bilder sofort im Kopf entstehen, obwohl längst nicht jedes Detail geklärt ist. Ich kenne das selbst: Da ist eine Idee, ich kann mir vorstellen, wie schön etwas werden könnte, und trotzdem ist die ganz große Vorfreude noch nicht da.

Sie wächst, wenn ein Termin feststeht, etwas gebucht wird, ich meine Sachen zusammensuche und der Koffer irgendwann tatsächlich auf dem Bett liegt. Spätestens wenn ich ins Auto steige oder am Flughafen stehe, verändert sich etwas, denn aus einer Vorstellung wird langsam Wirklichkeit.


Andere Dinge lösen dieses Gefühl viel früher aus, weil sie vertrauter und greifbarer sind. Ich weiß bereits, wie die Sonne dort auf der Haut aussieht, wie das Meer riecht oder wie gut es sich anfühlt, an einem bestimmten Ort anzukommen. Dann beginnt eine Reise in meinem Kopf lange vor der eigentlichen Abfahrt.


Beides ist Freude, nur fühlt sie sich unterschiedlich an. Deshalb interessiert mich viel mehr, wie sie sich bei dir zeigt. Wirst du unruhig und möchtest am liebsten sofort los? Erzählst du jedem davon? Fängst du Wochen vorher an, Dinge bereitzulegen? Musst du lächeln, wenn du daran denkst? Oder wird es in dir eher ruhig und du bemerkst, wie allein die Aussicht auf etwas Schönes deine Schultern ein kleines Stück sinken lässt?

Freude braucht schließlich kein Konfetti, um Freude zu sein.


Bis dahin ist mein Leben keine Wartehalle


Ich kenne auch eine andere Form der Vorfreude sehr gut. Früher waren Urlaube für mich solche Inseln. Natürlich bedeutete eine Reise mit Familie vorher Organisation, Packen und Hektik, aber irgendwann kam dieser wunderbare Moment, an dem alles erledigt war und wir endlich losfuhren. Gemeinsame Zeit, raus aus dem Alltag, etwas anderes sehen und erleben.


Zu meinem letzten runden Geburtstag bin ich mit meiner Familie eine Woche auf Kreuzfahrt gegangen. In diesem Moment war mir das Geld tatsächlich ziemlich egal, denn mir war wichtig, dass wir diese Zeit miteinander verbringen. Genau solche Erinnerungen gehören für mich zu den kostbaren Momenten meines Lebens.

Ich kenne allerdings ebenso den Gedanken, der sich irgendwann einschleicht: Bald ist es vorbei. Danach fahren wir wieder nach Hause, jeder kehrt in seinen Alltag zurück und alles beginnt von vorn.


Und schon warten wir auf die nächste Insel: auf den Urlaub, das Wochenende, Weihnachten, den Geburtstag, den Abschluss eines Projektes oder darauf, dass eine anstrengende Phase endlich vorübergeht.


Während wir auf all das warten, passiert allerdings etwas ziemlich Entscheidendes – unser Leben. Es findet nicht erst statt, wenn der Koffer gepackt ist, und deshalb gefällt mir der Gedanke so sehr, dass mein Leben bis dahin keine Wartehalle sein muss.


Heute merke ich stärker, dass es nicht ausschließlich die großen Ereignisse sind, die mir etwas geben. Heute Morgen lag ich im Bett und konnte im Flur bereits einen Sonnenstrahl sehen. Draußen war dieser wunderschöne Oktobertag gerade erst dabei anzufangen, ich wusste, dass ein freier Tag vor mir lag und später eine Massage, die meinem Körper guttun würde.


Das löst keine Luftsprünge und keine Jubelschreie aus, und vermutlich werde ich dafür auch kein Fotoalbum anlegen. 😉 Trotzdem hat allein die Aussicht darauf etwas in mir ausgelöst: Entspannung. Und genau das erinnert mich daran, dass Vorfreude nicht immer laut sein muss. Sie kann sich genauso gut darin zeigen, dass wir innerlich ein wenig ruhiger werden und denken: Ach, das wird schön.


Wie viel von deiner Freude liegt irgendwo in der Zukunft?



Gibt es in deinem Alltag Dinge, auf die du dich freust, oder beginnt dieses Gefühl erst beim nächsten großen Ereignis? Und wenn du einem Menschen schreibst „Freue mich!“ –was passiert eigentlich in dir, während du diese Worte tippst?


Wir müssen ganz sicher nicht jeden Morgen jubelnd aus dem Bett springen. Es gibt Tage, die fühlen sich nüchtern an, wir sind müde, haben Sorgen oder einen vollen Schreibtisch vor uns. Und es gibt diese ganz normalen Dienstage, an denen das Leben wirklich keinen Preis für außergewöhnliche Dramaturgie gewinnt.


Entscheidend ist für mich etwas anderes: Liegt zwischen all dem, was erledigt, organisiert und geregelt werden muss, noch etwas, bei dessen Gedanken du innerlich sagst: Ach, schön. Darauf freue ich mich.


Das kann der Kaffee mit einer Freundin sein, ein Spaziergang durch den goldenen Oktober, ein Essen, auf das du Lust hast, ein Herzensmensch, zwei freie Stunden, ein Buch neben deinem Bett oder eine Reise, die irgendwann beginnt. Es kann sogar die Aussicht darauf sein, eine Arbeit abzuschließen, weil danach wieder Raum für etwas Neues entsteht.


Und während ich diesen Artikel schreibe, fällt mir noch etwas auf: Ich freue mich auf Mittwoch. Dann wird dieser Text veröffentlicht. Ich freue mich nicht nur darüber, dass wieder ein Artikel fertig ist, sondern bin auch ein bisschen stolz darauf, wie zuverlässig ich inzwischen schreibe und veröffentliche. Aus einem Vorhaben ist etwas geworden, das tatsächlich zu meinem Leben gehört.

Das fühlt sich gut an.


Und dann ist da noch die Sache mit der Kontrolle


Je wichtiger uns etwas ist, desto verlockender wird der Wunsch, vorher zu wissen, dass alles gutgehen wird. Wir planen, prüfen, organisieren und spielen mögliche Szenarien durch, doch irgendwann kommt der Punkt, an dem wir alles getan haben, was tatsächlich in unserer Hand liegt.

Danach beginnt der Teil, den das Leben selbst übernimmt.

Der Urlaub kann anders werden als gedacht, beim Geburtstag sitzt jemand mit schlechter Laune am Tisch, das Wetter hält sich nicht an unsere Planung und ausgerechnet der Nachmittag, für den überhaupt nichts vorgesehen war, wird später der schönste der ganzen Reise. Das Leben unterschreibt uns vorher keine Garantie, und trotzdem dürfen wir uns darauf freuen.


An meinem Schreibtisch hängt ein Satz, der für mich inzwischen weit über seinen ursprünglichen Zusammenhang hinausgeht:

Genieße die Worte. Vertraue den Taten. Und vergiß dabei deine eigenen nicht!

Ich darf eine schöne Idee genießen, ein Wunsch darf Bilder in meinem Kopf entstehen lassen und eine Vision darf mich begeistern, ohne dass ich daraus sofort Gewissheit machen muss. Irgendwann braucht dieses Bild allerdings einen ersten Schritt: Der Termin wird vereinbart, die Reise gebucht, der Anruf gemacht, die Anmeldung abgeschickt oder eine Entscheidung getroffen.


So wird aus einem „Das wäre schön“ nach und nach ein „Ich bin unterwegs.“

Und genau deshalb gehören für mich Freude, Vertrauen und Bewegung enger zusammen, als ich lange gedacht habe.


Was liegt in deinen nächsten sieben Tagen?


Was liegt in den kommenden sieben Tagen vor dir, auf das du dich wirklich freust?

Und wenn dir gerade nichts einfällt, musst du daraus weder ein Problem noch die nächste Aufgabe zur Selbstoptimierung machen. Du kannst dich stattdessen fragen, was du dir selbst in diese Woche hineinlegen willst: einen Spaziergang, ein Treffen, einen freien Nachmittag, dein Lieblingsessen, Musik, einen Ausflug oder den ersten kleinen Schritt in Richtung eines Wunsches, der schon länger in deinem Kopf herumspaziert.

Nicht jeder Tag muss etwas Besonderes sein. Aber wir müssen auch nicht ausschließlich auf die großen Ereignisse warten, um uns lebendig zu fühlen.


Wenn du dabei merkst, dass du schon länger gar nicht mehr so genau weißt, worauf du dich eigentlich freust, was du dir wünschst oder wohin du für dich weitergehen möchtest, musst du die Antworten darauf nicht im Alleingang finden.


In meiner persönlichen Begleitung entsteht genau dafür Raum: für deine Gedanken, deine Wünsche und das, was in deinem Alltag immer wieder untergeht. Nicht damit ich dir sage, welchen Weg du gehen sollst, sondern damit du deinen eigenen wieder klarer sehen und den nächsten Schritt für dich finden kannst.


Wenn du wissen möchtest, ob meine Begleitung gerade zu dir passt, schreib mir gerne persönlich oder buch dir direkt einen unverbindlichen Gesprächsmoment mit mir.

Und bis dahin habe ich eine kleine Frage für dich. Wenn du das nächste Mal unter eine Nachricht „Freue mich!“ schreibst, halte einen Augenblick inne und spüre nach:

Freust du dich wirklich und woran merkst du es?


Fühl dich gedrückt.


Gitti 💛

 
 
 

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