Erwartungen sind kleine selbstgeschriebene Märchen im Kopf
- Gitti Globig
- vor 2 Tagen
- 4 Min. Lesezeit
„Ich freue mich unglaublich auf einen gemeinsamen Kurzurlaub.
In meinem Kopf war eigentlich schon alles fertig. Ich sah uns morgens gemütlich frühstücken, lange Spaziergänge machen, gemeinsam essen gehen und einfach einmal den Alltag hinter uns lassen."

(Dachte sie.)
Wahrscheinlich kennst du das auch. Kaum freuen wir uns auf etwas, beginnt unser Kopf, kleine Geschichten zu schreiben. Wir malen uns aus, wie ein Abend verlaufen könnte, wie sich ein Gespräch entwickeln wird oder wie sich ein besonderer Moment anfühlen könnte.
Ich glaube, genau dort entstehen Erwartungen. Nicht, weil wir etwas von anderen verlangen möchten, sondern weil wir uns nach etwas Schönem sehnen. Für mich sind Erwartungen deshalb wie kleine selbstgeschriebene Märchen im Kopf. Sie erzählen von unseren Wünschen, unseren Hoffnungen und manchmal auch von unserer Sehnsucht. Daran ist überhaupt nichts falsch. Im Gegenteil. Sie zeigen uns, was uns wichtig ist.
Schwieriger wird es erst, wenn das Leben plötzlich einen anderen Weg einschlägt.
Der Kurzurlaub findet nicht statt. Ein gemeinsamer Abend wird abgesagt. Das Telefon klingelt nicht. Der Mensch, auf den wir uns gefreut haben, kommt erschöpft nach Hause oder ist mit seinen Gedanken ganz woanders. Plötzlich passt die Wirklichkeit nicht mehr zu dem kleinen Märchen, das wir uns vorher ausgemalt haben.
Auch ich hätte früher wahrscheinlich gedacht, dass der andere mir diesen schönen Moment genommen hat. Heute sehe ich das anders. Natürlich wäre ich auch heute noch traurig, wenn etwas nicht so kommt, wie ich es mir gewünscht habe. Gefühle verschwinden nicht einfach, nur weil wir achtsamer leben. Der Unterschied besteht darin, dass ich sie heute bewusst wahrnehme, ihnen ihren Platz gebe und mich anschließend frage:
Was brauche ich jetzt?
Genau diese Frage verändert oft mehr, als wir zunächst glauben.
Wenn ein geplanter Termin ausfällt, mache ich es mir im Winter mit einer Tasse Tee und einem guten Buch gemütlich. Im Sommer zieht es mich nach draußen. Ich gehe spazieren, setze mich mit einem Kaffee in die Sonne oder nutze die freie Zeit für etwas, das schon länger auf mich wartet. Immer wieder habe ich erlebt, dass aus einer zunächst enttäuschenden Situation etwas Neues entstehen konnte. Eine gute Idee. Ein schönes Gespräch. Ein Moment der Ruhe. Oder einfach das Gefühl, mir selbst etwas Gutes getan zu haben.

Am Ende ist nicht entscheidend, dass etwas anders gekommen ist als geplant.
Entscheidend ist, was wir daraus machen.
Diese Haltung begleitet mich inzwischen nicht nur in Beziehungen. Natürlich wünsche ich mir auch, dass Menschen mein Coaching finden oder sich für meine Arbeit interessieren. Ich könnte mir vorstellen, wie viele Klientinnen sich in einem Monat melden oder welche Projekte entstehen sollen. Doch auch das wären zunächst einmal kleine Geschichten in meinem Kopf.
Heute richte ich meinen Blick lieber auf das, was bereits da ist. Wenn ich auch nur einen einzigen Menschen begleiten darf und dadurch etwas in seinem Leben in Bewegung kommt, erfüllt mich das mit großer Dankbarkeit. Und wenn es einmal ruhiger ist, frage ich mich nicht mehr, warum etwas nicht passiert ist, sondern was ich heute tun kann, damit Menschen überhaupt die Möglichkeit haben, mich kennenzulernen.
Ich glaube, genau darin liegt ein großer Unterschied.
Nicht unsere Erwartungen verändern unser Leben.
Unser Umgang mit ihnen schon.
Auch in Beziehungen hat sich mein Blick dadurch verändert. Natürlich wünsche ich mir Nähe, gemeinsame Zeit oder einen Menschen, der mich versteht. Gleichzeitig weiß ich heute, dass jeder seine eigene Art hat, Liebe zu zeigen. Nicht jeder kann in dem Moment genau das geben, wonach ich mich gerade sehne. Das bedeutet nicht automatisch, dass ich ihm gleichgültig bin. Es bedeutet lediglich, dass seine Möglichkeiten, seine Gefühle oder seine Aufmerksamkeit in diesem Augenblick woanders liegen.
Allein diese Erkenntnis hat mir viel Ruhe geschenkt. Ich muss meine Wünsche deshalb nicht aufgeben. Ich darf traurig sein, wenn etwas anders kommt als erhofft. Gleichzeitig darf ich den anderen Menschen so sein lassen, wie er gerade ist. Genau dort entsteht für mich Freiheit – für den anderen und auch für mich selbst.
🌿 Ein interessanter Gedanke
Erwartungen sind nichts Schlechtes.
Sie entstehen dort, wo uns etwas wichtig ist.
Enttäuschungen entstehen häufig erst dann, wenn wir unsere Vorstellung mit der Wirklichkeit verwechseln.
Vielleicht lohnt es sich deshalb, sich hin und wieder zu fragen:
Welche Geschichte habe ich mir gerade erzählt und welche Geschichte schreibt das Leben stattdessen?
Drei Fragen für deine Seelenzeit
💛 Welche Erwartung hat dich in letzter Zeit besonders beschäftigt?
💛 War es wirklich der Mensch, der dich enttäuscht hat – oder eher die Geschichte, die du dir vorher ausgemalt hattest?
💛 Was könnte entstehen, wenn du den Moment annimmst, so wie er gerade ist?
🌿 Vielleicht schenkst du dir heute noch ein paar Minuten Seelenzeit.
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Und wenn du das Gefühl hast, dass dich bestimmte Muster schon lange begleiten und du sie nicht länger alleine sortieren möchtest, begleite ich dich gerne ein Stück auf
deinem Weg.
Ich freue mich darauf, von dir zu lesen.
Fühl dich herzlich gedrückt.
Deine Gitti 💛



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