Es sind immer die anderen, oder? Und warum du so heftig darauf reagierst
- Gitti Globig
- 15. Apr.
- 4 Min. Lesezeit
Kennst du diesen Moment, in dem dich etwas sofort triggert?

Kennst du das? Da sagt jemand etwas – vielleicht ganz nebenbei – und plötzlich bist du innerlich auf 180. Du fühlst dich angegriffen, unverstanden oder einfach nur genervt, und der erste Gedanke ist ziemlich klar: Ganz ehrlich, die anderen sind schuld.
Hätte sie das anders gesagt, hätte er sich anders verhalten, wäre die Situation nicht so gewesen, dann wäre das alles gar nicht passiert. Und für einen Moment fühlt sich das auch absolut stimmig an.
Bis du ein bisschen genauer hinschaust.
Eine Frau hat mir einmal von einer Situation im Job erzählt. Eine Kollegin kam morgens rein und sagte völlig erschöpft, dass sie zu Hause gerade alles alleine stemmen muss, weil ihr Partner sich nicht wirklich einbringt. Eigentlich ein ganz normaler Satz, nichts Dramatisches – und trotzdem hat genau dieser Satz etwas in ihr ausgelöst. Kein Mitgefühl, kein „Oh, das klingt anstrengend“, sondern eher ein inneres Zusammenziehen. Ein Widerstand, der sofort da war, ohne dass sie ihn wirklich greifen konnte.
Und innerlich war sie plötzlich nicht mehr offen, nicht mehr verbunden, sondern angespannt, fast schon wütend – auf eine Kollegin, die ihr eigentlich gar nichts getan hatte.
Und genau hier wird es spannend.
Warum reagierst du so stark?
Denn es gibt nicht nur die eine Erklärung. Vielleicht hat sie selbst jahrelang alles alleine getragen und sich nie wirklich Unterstützung erlaubt. Vielleicht hat sie gelernt, dass sie stark sein muss, dass sie es alleine schaffen muss, weil es niemand anderes für sie tut. Und vielleicht steckt dahinter nicht nur Stärke, sondern auch etwas anderes: die Angst, die Kontrolle abzugeben. Denn Kontrolle gibt Sicherheit. Wenn ich alles selbst mache, weiß ich, wie es läuft. Ich muss mich nicht darauf verlassen, dass jemand anderes es „richtig“ macht. Ich muss mich nicht öffnen, nicht abhängig machen, nicht riskieren, enttäuscht zu werden. Und so entsteht mit der Zeit ein Muster, das sich fast selbstverständlich anfühlt: Ich mach das schon.
Doch wenn dann jemand kommt und ausspricht, dass es gerade zu viel ist, dass Unterstützung fehlt, dass etwas nicht funktioniert, trifft das genau diesen wunden Punkt. Nicht, weil die andere etwas falsch macht, sondern weil sie etwas anspricht, was man sich selbst nie erlaubt hat.
Und vielleicht ist genau hier ein Moment, einmal anders hinzuschauen.

Was würde diese Frau heute ihrer jüngeren Version sagen?
Würde sie ihr wirklich raten, alles alleine zu tragen? Oder würde sie ihr vielleicht sagen: Du darfst dir Hilfe holen. Du musst das nicht alles selbst schaffen. Du darfst dich zeigen, auch wenn es sich ungewohnt anfühlt.
Denn das, was sie ihrer jüngeren Version heute mitgeben würde, wäre vielleicht genau das, was ihre Kollegin gerade braucht. Nur dass sie es in diesem Moment nicht sehen kann, weil sie selbst noch in ihrer alten Geschichte feststeckt.
Achtsamkeit beginnt genau hier
Und genau da verlierst du dich.
Nicht, weil du ein schlechter Mensch bist, sondern weil du in diesem Moment nicht mehr bei dir bist, sondern mitten in einer alten Geschichte, die noch nicht wirklich gesehen wurde.
Und jetzt mal ganz ehrlich: Wie oft passiert dir genau das? Dass dich etwas triggert, obwohl es auf den ersten Blick gar nicht so groß ist? Dass du innerlich sofort reagierst, bewertest, dich vergleichst – und vielleicht erst viel später merkst, dass es eigentlich gar nicht um die andere Person ging?
Das sind keine Zufälle. Das sind Hinweise.
Und genau hier beginnt Achtsamkeit. Nicht in den Momenten, in denen alles ruhig ist, sondern genau dann, wenn es dich erwischt.
Denn am Ende liegt es immer auch bei dir, wie du eine Situation aufnimmst, wie du dich darauf einlässt und wie du damit umgehst. Ob du dich hineinsteigerst, wütend wirst oder ob du kurz innehältst, durchatmest und dir bewusst machst: Das ist ihre Version. Ich habe meine eigene.
Und genau darin liegt deine Freiheit.
Drei ehrliche Fragen an dich
Wenn du magst, stell dir einmal ganz ehrlich diese Fragen:
Wann habe ich mich das letzte Mal über etwas aufgeregt, das eigentlich gar nicht so groß war?
Was genau hat mich daran so getroffen?
Und kenne ich dieses Gefühl vielleicht schon von früher?
Diese Fragen sind keine Analyse. Sie sind eine Einladung.
Und vielleicht beginnt genau in diesem Moment etwas Neues. Nicht, weil sich die anderen verändern, sondern weil du anders hinschaust.
Und wenn du merkst, dass genau solche Situationen dich immer wieder einholen und du tiefer hinschauen möchtest, dann darfst du dir Unterstützung holen.
👉 In meinem 3-Wochen-Klarheitsprozess schauen wir genau auf diese Muster – ehrlich, ohne Druck, Schritt für Schritt.
👉 Und wenn du erstmal klein anfangen möchtest: In meinem Newsletter teile ich regelmäßig Impulse aus genau solchen Alltagssituationen. Direkt, ehrlich und ohne Schönreden.
Vielleicht ist genau das der Moment, in dem du aufhörst zu sagen:
„Die anderen sind schuld.“
Und anfängst, dich selbst wirklich zu sehen.
Diese Momente... Diese kleinen Situationen, in denen plötzlich mehr hochkommt, als du erwartet hast... Kenne ich auch.
Und genau deshalb schreibe ich darüber. Nicht, weil ich alles besser weiß – sondern weil ich weiß, wie es sich anfühlt, sich selbst in solchen Momenten zu verlieren.
Denn, wenn ich eines gelernt habe, dann das: Es geht nicht darum, keine Trigger mehr zu haben. Es geht darum, sie zu erkennen. Und jedes Mal, wenn du einen Moment früher innehältst, veränderst du etwas. Nicht im Außen, aber in dir.
Vielleicht ist genau das der Anfang - nicht perfekt reagieren zu müssen, sondern einfach mal ehrlich hinzuschauen.
Wenn dich der Text beim Lesen an eine Situation erinnert hat oder etwas in dir ausgelöst hat, dann schreib mir gerne. Ich freue mich auf den Austausch mit dir.
Fühl dich gedrückt Gitti 💛



Kommentare