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Eine Frau sitzt mit einer Freundin in einem Café. Sie lachen, erzählen und genießen den gemeinsamen Nachmittag, bis ihr während des Gesprächs plötzlich die Tränen in die Augen steigen. Noch bevor sie überhaupt erklären kann, was sie gerade bewegt, sagt sie einen Satz, den wahrscheinlich viele von uns schon einmal ausgesprochen haben: „Entschuldige, ich weiß auch nicht, was heute mit mir los ist.“


Vielleicht kennst du diesen Moment oder einen ähnlichen. Du hast womöglich auch schon einmal gesagt, dass du heute sehr nah am Wasser gebaut bist, gerade etwas empfindlich reagierst oder gar nicht weinen wolltest. Solche Sätze kommen häufig fast automatisch, und manchmal merken wir gar nicht, dass wir uns in diesem Augenblick für etwas entschuldigen, das zutiefst menschlich ist.


🌿 Interessanter Gedanke


Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich, dass wir uns häufig gar nicht für unsere Gefühle entschuldigen, sondern dafür, dass sie sichtbar werden.


Unsicherheit, Angst oder Erschöpfung können lange in uns verborgen bleiben, ohne dass jemand etwas davon bemerkt. Sobald jedoch die Stimme brüchig wird, die Tränen laufen oder wir offen aussprechen, wie es uns wirklich geht, entsteht plötzlich das Gefühl, wir müssten uns erklären. Fast so, als hätten wir unser Gegenüber ungefragt mit etwas belastet, das wir besser für uns behalten hätten.


Ich kenne dieses Gefühl gut. In meinem Leben gab es Zeiten, in denen mir plötzlich die Tränen kamen, ohne dass ich in diesem Moment genau benennen konnte, was sie ausgelöst hatte. Natürlich gab es Gründe, Belastungen und Dinge, die mich innerlich beschäftigten, doch Gefühle halten sich nicht immer an den Zeitpunkt, den unser Verstand für passend hält. Sie tauchen manchmal in einem Gespräch auf, beim Anblick eines Bildes, bei einem Satz, der uns berührt, oder in einem Moment, in dem wir uns endlich sicher genug fühlen, um nicht mehr alles zurückhalten zu müssen.


Noch bevor jemand reagieren konnte, habe ich mich häufig entschuldigt. Nicht unbedingt, weil ich meine Gefühle für falsch hielt, sondern weil ich dachte, ich würde den anderen Menschen damit belasten oder in eine Situation bringen, mit der er nicht umgehen kann. Wer mich nicht näher kannte, konnte möglicherweise gar nicht verstehen, warum mich bestimmte Geschichten von Kindern, Tieren, älteren Menschen oder Menschen in schwierigen Lebenssituationen so tief berührten. Für mich war es ein echtes Mitgefühl, das sich körperlich zeigte, während mein Gegenüber womöglich nur dachte: Warum weint sie denn jetzt?


Heute sehe ich solche Situationen anders. Ich glaube nicht mehr, dass Gefühle grundsätzlich das Problem sind. Viel häufiger fürchten wir die Reaktion des anderen Menschen, weil wir nicht wissen, ob er unsere Tränen aushält, uns ernst nimmt oder sich innerlich bereits zurückzieht.



Menschen gehen sehr unterschiedlich mit sichtbaren Gefühlen um. Der eine nimmt uns vielleicht liebevoll in den Arm, hört zu und bleibt einfach einen Moment bei uns, ohne sofort nach einer Lösung zu suchen. Ein anderer fühlt sich hilflos, wechselt das Thema oder zieht sich zurück, weil er nie gelernt hat, mit starken Emotionen umzugehen. Je nachdem, wie nah die Beziehung ist, kann zusätzlich das Gefühl entstehen, nun unbedingt trösten, helfen oder die Situation retten zu müssen. Damit geraten beide Seiten unter Druck: Der eine entschuldigt sich für seine Tränen, während der andere glaubt, eine Antwort oder Lösung liefern zu müssen.


Dabei könnte Ehrlichkeit in solchen Momenten viel mehr Nähe schaffen als ein vorschneller Trost, der sich für beide nicht richtig anfühlt. Ein Mensch dürfte zum Beispiel sagen: „Es tut mir leid, dass es dir gerade so geht. Ich merke aber auch, dass ich mit diesen starken Gefühlen unsicher bin und gar nicht weiß, was du von mir brauchst.“

Ein solcher Satz mag im ersten Augenblick ungewohnt wirken, ist aber ehrlicher als ein Rückzug, ein Themenwechsel oder ein gut gemeinter Ratschlag, um den niemand gebeten hat. Gleichzeitig öffnet er einen Raum, in dem der andere sagen kann, ob er eine Umarmung, ein offenes Ohr, ein wenig Ruhe oder vielleicht überhaupt keine Lösung braucht. Aus einem Moment, der zunächst für beide unangenehm erscheint, kann dadurch ein sehr ehrliches Gespräch entstehen.


Gerade in engen Beziehungen kann diese Offenheit etwas sichtbar machen, das bisher im Verborgenen lag. Der Mensch, dem die Tränen kommen, kann erklären, dass er sich in bestimmten Situationen allein, missverstanden oder hilflos fühlt. Das Gegenüber kann wiederum aussprechen, dass es mit Gefühlen schwer umgehen kann, weil es selbst nie erlebt hat, dass darüber offen gesprochen wurde. Plötzlich geht es nicht mehr nur um die Tränen, sondern um zwei Menschen, die beginnen, einander besser zu verstehen.

Nicht jede Situation wird dadurch sofort leicht, und nicht jeder Mensch kann oder möchte sich auf eine solche Unterhaltung einlassen. Trotzdem glaube ich, dass ehrliche Worte häufig wertvoller sind als das Gefühl, sich voreinander zusammenreißen zu müssen. Niemand sollte seine Gefühle verstecken müssen, und gleichzeitig darf auch das Gegenüber seine eigenen Grenzen und Bedürfnisse wahrnehmen.


Gefühle entstehen nicht, um uns das Leben schwer zu machen. Sie sind Reaktionen unseres Körpers und unserer inneren Wahrnehmung auf das, was wir erleben. Angst kann uns auf eine mögliche Gefahr oder Unsicherheit aufmerksam machen. Wut zeigt häufig, dass eine Grenze berührt oder überschritten wurde. Traurigkeit begleitet Verluste, Abschiede, Enttäuschungen oder den Gedanken daran, dass das Leben und unsere gemeinsame Zeit nicht unendlich sind. Freude verbindet uns mit dem, was uns guttut, und Mitgefühl lässt uns Anteil am Leben anderer Menschen nehmen.


Je älter wir werden, desto bewusster nehmen viele von uns wahr, dass nicht alles unbegrenzt zur Verfügung steht. Zeit, Begegnungen, Möglichkeiten und gemeinsame Erlebnisse bekommen dadurch mitunter ein anderes Gewicht. Dinge, die wir früher als selbstverständlich betrachtet haben, berühren uns plötzlich stärker. Das bedeutet nicht, dass wir empfindlicher oder schwächer geworden sind. Es kann ebenso bedeuten, dass wir genauer hinsehen, bewusster fühlen und den Wert eines Augenblicks anders wahrnehmen als früher.


Auch ich habe im Laufe meiner Coaching-Ausbildung und durch viele persönliche Reflexionen lernen dürfen, meine Gefühle nicht mehr sofort gegen mich zu verwenden. Lange Zeit habe ich mir für vieles die Schuld gegeben und geglaubt, ich müsse mich stärker anpassen, damit ein anderer Mensch zufrieden ist, mich liebt oder sich mir wieder näher fühlt. Wenn eine Beziehung schwierig wurde oder sich jemand von mir zurückzog, suchte ich die Ursache zuerst bei mir und fragte mich, was ich anders hätte machen müssen.


Mit der Zeit erkannte ich, dass ich nicht dafür verantwortlich bin, den Vorstellungen anderer Menschen zu entsprechen. Ich darf Entscheidungen treffen, die sich für mich richtig anfühlen, Grenzen setzen und Dinge anders sehen, ohne mich dafür schuldig fühlen zu müssen. Vor allem darf ich so sein, wie ich bin, und fühlen, was ich fühle, ohne mich automatisch dafür zu entschuldigen.


Das bedeutet nicht, jede Emotion ungefiltert an anderen auszulassen oder die Verantwortung für das eigene Verhalten abzugeben. Gefühle und Handlungen sind nicht dasselbe. Wut darf da sein, doch sie gibt uns nicht das Recht, jemanden zu verletzen. Angst darf da sein, doch sie muss nicht jede Entscheidung übernehmen. Traurigkeit darf sichtbar werden, ohne dass ein anderer Mensch sie für uns beseitigen muss.


Achtsamkeit bedeutet für mich auch hier, zunächst wahrzunehmen, was in mir geschieht, ohne mich dafür zu verurteilen. Ich darf mich fragen, was mich gerade berührt hat, welches Bedürfnis hinter meinem Gefühl liegt und ob ich im Moment Nähe, Ruhe, Unterstützung oder einfach ein wenig Zeit für mich brauche. Aus dieser ehrlichen Wahrnehmung entsteht viel eher ein guter Umgang mit Gefühlen als aus dem Versuch, sie schnell zu unterdrücken oder wegzuerklären.


Es geht also nicht darum, weniger zu fühlen. Es geht darum, die eigenen Gefühle besser kennenzulernen, Verantwortung für den Umgang mit ihnen zu übernehmen und gleichzeitig aufzuhören, sich für ihr bloßes Dasein zu entschuldigen. Wir dürfen traurig, erschöpft, unsicher, wütend, berührt oder voller Freude sein, ohne uns damit falsch zu machen.


Vielleicht verändert sich bereits etwas, wenn aus dem Satz „Entschuldige, ich bin heute nah am Wasser gebaut“ irgendwann ein ehrlicherer Satz wird: „Heute berührt mich vieles sehr, und ich brauche gerade einen Moment.“


Drei Fragen für dich


💭 Für welches Gefühl entschuldigst du dich besonders häufig, obwohl du eigentlich nichts falsch gemacht hast?


💭 Wie reagieren Menschen in deinem Umfeld, wenn du deine Gefühle offen zeigst, und was wünschst du dir in solchen Momenten wirklich?


💭 Was würde sich für dich verändern, wenn du deine Gefühle zunächst wahrnehmen dürftest, ohne sie sofort erklären, rechtfertigen oder kleinreden zu müssen?


Ich freue mich auf den Austausch


Mich würde sehr interessieren, ob du dich in diesen Gedanken wiederfindest. Kennst du Situationen, in denen du dich für Tränen, Erschöpfung, Angst oder ein klares Nein entschuldigt hast, obwohl du im Grunde einfach nur ehrlich gezeigt hast, wie es dir gerade geht?


Wenn du magst, erzähl mir gerne in den Kommentaren davon. Ich lese jeden einzelnen Kommentar und freue mich über einen offenen, respektvollen Austausch.


Falls du deine Gedanken lieber persönlich mit mir teilen möchtest, kannst du mir jederzeit an lebensfreudeistherzsamkeit@gmail.com schreiben. Nicht alles möchte man öffentlich erzählen, und das ist vollkommen in Ordnung.


Weitere Gedanken über Achtsamkeit, Selbstreflexion und die leisen Veränderungen unseres Lebens findest du hier im Blog, in meinem Newsletter und auf Instagram unter @herzsamkeit_lebensfreude.


Und vielleicht nimmst du heute nur diesen Gedanken mit:


Du musst dich nicht dafür entschuldigen, dass du fühlst. Du darfst lernen, deinen Gefühlen zuzuhören, ohne dich von ihnen beherrschen zu lassen – und du darfst so sein, wie du bist.

Fühl dich gedrückt.

Gitti 💛

 
 
 

In der Nacht von Sonntag auf Montag konnte ich kaum schlafen. Immer wieder bin ich aufgewacht, habe auf die Uhr geschaut und gehofft, endlich wieder einzuschlafen. Doch stattdessen kamen neue Gedanken. Sie drehten sich nicht nur um eine einzige Sache. Es war eher eine Mischung aus allem, was mich im Moment beschäftigt.


Ein neues Projekt, das gerade entsteht und gleichzeitig kam meine Mutter von einer kleinen Reise zurück. Sie war erschöpft, was mit 82 Jahren überhaupt nicht ungewöhnlich ist. Trotzdem hat mich dieser Anblick mehr berührt, als ich zunächst dachte. Plötzlich war da dieser Gedanke, den wir wahrscheinlich alle kennen und doch so gerne zur Seite schieben: Unsere gemeinsame Zeit ist endlich.


Es war keine dramatische Nacht. Aber eine, in der mein Kopf einfach nicht zur Ruhe kommen wollte.


Am nächsten Morgen fühlte ich mich, als hätte mir jemand eine Pfanne über den Kopf gezogen. Kennst du dieses Gefühl? Man funktioniert zwar irgendwie, aber alles wirkt ein bisschen langsamer, ein bisschen schwerer und nicht ganz so klar wie sonst.


Früher hätte ich wahrscheinlich versucht, gegen dieses Gefühl anzukämpfen. Ich hätte mich abgelenkt, den Fernseher eingeschaltet oder mich sogar in Arbeit gestürzt, nur damit die Gedanken endlich aufhören.


Heute gehe ich anders damit um.


Ich habe ja das große Glück, dass ich mir meinen Tag selbst einteilen kann, also habe ich genau das getan. Ich bin langsamer aufgestanden als sonst, habe in Ruhe geduscht, meinen Kaffee getrunken und mir Zeit gelassen, überhaupt erst einmal im Tag anzukommen. Danach bin ich Stück für Stück in Bewegung gekommen. Erst ein paar kleine Handgriffe, später ein weiterer Kaffee, ein kleiner Snack und schließlich der Aufbau einer Küche.



Ohne dass ich es geplant hatte, kam meine Energie langsam zurück. Nicht schlagartig und auch nicht nach dem zweiten Kaffee, sondern ganz leise, fast unbemerkt, Schritt für Schritt, bis ich irgendwann merkte, dass ich wieder ganz in meinem Element war.


Am Abend saß ich schließlich auf meinem Bett und arbeitete noch an einem Unternehmenskonzept. Irgendwann schaute ich auf die Uhr und musste fast über mich selbst lachen. Am Morgen hatte ich noch das Gefühl, dieser Tag würde wahrscheinlich nichts mehr werden, und nun musste ich mich regelrecht bremsen, endlich Feierabend zu machen.


Als ich später darüber nachdachte, wurde mir klar, dass dieser Tag mir etwas gezeigt hatte: Wir glauben oft, dass wir gegen unseren Körper arbeiten müssen, wenn wir müde, erschöpft oder innerlich unruhig sind. Aber eigentlich versucht unser Körper die meiste Zeit gar nicht, uns auszubremsen. Er versucht nur, gut für uns zu sorgen.


Gerade unser Nervensystem leistet jeden Tag Erstaunliches. Es verarbeitet ununterbrochen Eindrücke, begleitet uns durch belastende Situationen und versucht immer wieder, ein Gleichgewicht herzustellen. Nach einer unruhigen Nacht oder einer emotional belastenden Situation braucht es deshalb oft keinen perfekten Plan. Viel hilfreicher sind manchmal kleine Signale von Sicherheit: eine warme Dusche, eine Tasse Kaffee, eine Meditation, ein gutes Gespräch, die Natur oder einfach das Gefühl, sich nicht zusätzlich unter Druck setzen zu müssen.


Das bedeutet natürlich nicht, dass sich jeder morgens dafür mehr Zeit nehmen kann. Viele müssen pünktlich zur Arbeit, Kinder versorgen oder andere Verpflichtungen erfüllen. Das Leben lässt sich nicht immer an unser eigenes Tempo anpassen. Aber vielleicht gibt es trotzdem kleine Momente, die wir uns schenken können.

Wie zum Beispiel fünf Minuten bewusst den Kaffee trinken.

Ein paar tiefe Atemzüge vor dem Büro.

Ein kurzer Spaziergang in der Mittagspause.

Oder einfach den Gedanken: Heute muss ich nicht perfekt funktionieren. Heute darf ich gut mit mir umgehen.

Ich glaube inzwischen, dass genau darin oft der eigentliche Wendepunkt liegt. Nicht der perfekte Plan verändert unseren Tag, sondern die Art und Weise, wie wir uns selbst begegnen. Je liebevoller wir mit uns umgehen, desto eher findet unser Körper häufig wieder in seinen eigenen Rhythmus zurück. Genau das durfte ich an diesem Tag wieder einmal erleben.



Drei Fragen für dich


💭 Wann hast du deinem Körper das letzte Mal wirklich zugehört, statt gegen ihn anzukämpfen?


💭 Welche kleinen Momente helfen dir dabei, wieder in deine Kraft zu kommen?


💭 Was würde sich verändern, wenn du dir an anstrengenden Tagen mit derselben Freundlichkeit begegnen würdest wie einem guten Freund oder einer guten Freundin?


Ich freue mich auf den Austausch


Mich würde interessieren, ob du solche Tage auch kennst. Tage, an denen morgens alles schwer erscheint und sich am Abend plötzlich vieles leichter anfühlt.


Wenn du magst, erzähl mir gerne in den Kommentaren davon. Und wenn dir ein persönlicher Austausch lieber ist, kannst du mir jederzeit an lebensfreudeistherzsamkeit@gmail.com schreiben. Nicht alles möchte man öffentlich teilen – und das ist völlig in Ordnung.


Wenn dich solche Gedanken begleiten, findest du hier im Blog, in meinem Newsletter und auf Instagram unter @herzsamkeit_lebensfreude regelmäßig neue Impulse.


Und vielleicht nimmst du heute nur diesen einen Gedanken mit:


Manchmal braucht unser Körper keinen besseren Plan. Er braucht nur das Gefühl, dass wir auf seiner Seite sind.

Fühl dich gedrückt.


Gitti 💛

 
 
 

Im letzten Blogartikel habe ich unser Nervensystem nur ganz kurz erwähnt. Ehrlich gesagt hätte ich nicht gedacht, dass gerade dieser kleine Abschnitt so viele Rückmeldungen auslösen würde. Einige von euch schrieben mir, dass sie sich mit diesem Thema bisher noch nie beschäftigt hatten. Andere erzählten, dass sie plötzlich angefangen haben, ihre eigenen Reaktionen etwas besser zu verstehen. Und genau deshalb möchte ich heute noch einmal darauf zurückkommen.


Ich glaube nämlich, dass wir unserem Nervensystem viel zu wenig Aufmerksamkeit schenken. Nicht, weil es unwichtig wäre. Ganz im Gegenteil. Sondern weil es so selbstverständlich geworden ist, dass wir kaum darüber nachdenken, welche großartige Arbeit es jeden einzelnen Tag für uns leistet.


Kennst du das auch?


Hast du schon einmal einen Raum betreten und sofort gespürt, dass dort eine merkwürdige Stimmung herrscht, obwohl noch niemand etwas gesagt hat?


Oder ist dir schon einmal aufgefallen, dass dir ein einziger Satz den ganzen Tag verderben konnte, während eine liebevolle Umarmung plötzlich alles ein wenig leichter gemacht hat?


Vielleicht kennst du auch dieses Gefühl, dass dir jemand auf Anhieb sympathisch ist, während du bei einem anderen Menschen zunächst einmal vorsichtig bleibst, obwohl du ihn kaum kennst.



Über solche Momente habe ich in den letzten Jahren immer wieder mal nachgedacht. Nicht, weil ich für alles eine Erklärung gesucht habe, sondern weil ich verstehen wollte, warum unser Körper manchmal schon reagiert, bevor unser Verstand überhaupt begriffen hat, was gerade passiert.


Je mehr ich mich mit unserem Nervensystem beschäftigt habe, desto klarer wurde mir, wie unglaublich aufmerksam unser Körper eigentlich ist. Während wir einkaufen, arbeiten, spazieren gehen oder mit Freunden zusammensitzen, verarbeitet er ununterbrochen Eindrücke. Er hört den Klang einer Stimme, nimmt einen Blick wahr, registriert eine Berührung oder spürt, ob sich eine Situation sicher oder angespannt anfühlt. Das meiste davon geschieht, ohne dass wir es bewusst bemerken.


Vielleicht erklärt genau das, warum wir manchmal sagen: "Irgendetwas stimmt hier nicht." Nicht, weil wir hellsehen können, sondern weil unser Körper bereits viel mehr wahrgenommen hat, als unser Kopf in diesem Moment einordnen kann.


Unser Nervensystem stellt den ganzen Tag im Grunde immer wieder dieselbe Frage:

Fühle ich mich hier sicher?


Diese Frage entscheidet über viel mehr, als uns bewusst ist.

Denn, fühlen wir uns sicher, fällt es uns leichter zu lachen, offen auf andere Menschen zuzugehen, neugierig zu bleiben oder einfach den Moment zu genießen. Erleben wir dagegen Stress, Unsicherheit oder haben in der Vergangenheit schmerzhafte Erfahrungen gemacht, reagiert unser Körper häufig vorsichtiger. Das ist keine Schwäche und auch kein persönlicher Fehler. Es ist zunächst einmal eine ganz natürliche Schutzreaktion.


Vielleicht ist dir schon einmal aufgefallen, dass manche Menschen sehr schnell Vertrauen fassen, während andere erst einmal beobachten und sich langsam herantasten. Früher habe ich gedacht, das sei einfach eine Frage des Charakters. Heute glaube ich, dass auch unser Nervensystem dabei eine wichtige Rolle spielt. Erfahrungen hinterlassen Spuren. Wer häufig Sicherheit erlebt hat, reagiert oft anders als jemand, der immer wieder Enttäuschungen erfahren musste. Vorsicht ist deshalb nicht automatisch Misstrauen. Manchmal ist sie einfach eine verständliche Form von Selbstschutz.


Das Schöne daran ist, dass unser Nervensystem ein Leben lang lernen kann.

Jede Erfahrung, die wir als sicher erleben, kann dazu beitragen, dass wir Schritt für Schritt mutiger werden. Nicht, weil plötzlich jede Angst verschwindet, sondern weil unser Körper nach und nach erfährt: "Ich habe das geschafft. Und ich bin trotzdem sicher."


Ein Mensch, der mir sehr wichtig ist, geriet vor einiger Zeit in eine schwierige Lebenssituation. Innerhalb weniger Stunden musste vieles organisiert werden. Ich habe begleitet, Entscheidungen getroffen, zugehört und einfach das getan, was in diesem Moment notwendig war. Während all das geschah, habe ich erstaunlich wenig gespürt. Dafür war in dieser Situation kein Platz.


Erst als ich später wieder allein im Auto saß und wusste, dass dieser Mensch in guten Händen war, kamen die Tränen. In dem Moment konnte ich loslassen und alles für mich fühlen. Da war Traurigkeit, aber auch Wut. Dann natürlich auch die Sorge über die Zukunft und meine eigene Erschöpfung dazu. Ich kenne das von mir sehr gut. In belastenden Situation hole ich alle Ressourcen hervor, damit ich handlungsfähig bleibe. Aber in der anschließenden Ruhe fühlt mein Körper alles noch einmal und holt alle Emotionen heraus...


Viele Menschen kennen dieses Phänomen auch nach einer Prüfung, einem Krankenhausbesuch, einer belastenden Familiengeschichte oder nach Situationen, in denen einfach alles auf einmal passiert.


Als ich das verstanden hatte, veränderte sich mein Blick auf meinen Körper.

Seitdem frage ich mich viel seltener, was mit mir nicht stimmt. Stattdessen frage ich mich: Was hat mein Körper in den letzten Stunden oder Tagen eigentlich alles für mich geleistet?



Allein dieser Gedanke macht einen großen Unterschied.

Er nimmt den Druck heraus. Er schafft Verständnis und vielleicht lädt er uns dazu ein, liebevoller mit uns selbst umzugehen.


Drei Fragen für dich

💭 Wann hast du zuletzt gespürt, dass dein Körper auf etwas reagiert hat, bevor dein Verstand es erklären konnte?


💭 Woran merkst du, dass dein Nervensystem gerade Ruhe und Erholung braucht?


💭 Welche kleinen Momente schenken dir das Gefühl von Sicherheit und helfen dir, wieder bei dir anzukommen?


Ich freue mich auf den Austausch


Mich würde interessieren, ob du solche Situationen auch kennst. Vielleicht gab es einen Moment, in dem du erst im Nachhinein verstanden hast, warum dein Körper so reagiert hat. Wenn du magst, erzähl mir gerne davon in den Kommentaren. Und falls dir ein persönlicher Austausch lieber ist, kannst du mir jederzeit an lebensfreudeistherzsamkeit@gmail.com schreiben. Nicht alles möchte man öffentlich teilen und das ist völlig in Ordnung.


Wenn dich solche Gedanken begleiten, findest du hier im Blog, in meinem Newsletter und auf Instagram unter @herzsamkeit_lebensfreude regelmäßig neue Impulse.


Und vielleicht nimmst du heute nur diesen einen Gedanken mit:

Unser Körper arbeitet die meiste Zeit nicht gegen uns. Er versucht jeden Tag aufs Neue, gut für uns zu sorgen.

Fühl dich gedrückt.


Gitti 💛

 
 
 
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